13.06.2016

Neue Wohnungen auf den Wiesen unserer Freibäder?

Berlin benötigt dringend neuen Wohnraum und überlegt fleißig, wie und wo dieser entstehen kann. Die Geburtenrate liegt über der Sterberate, es gibt mehr Zuzug als Wegzug und auf die Flüchtlingskrise war trotz ewiger Warnungen ebenfalls niemand vorbereitet. Nachdem nun Jahre lang immer mehr und mehr Immobilien mit größtem Nachdruck in die private Hand verkauft wurden, erreicht die Wohnungsnot in Berlin eine Dimension, die kaum ein Verantwortlicher laut aussprechen mag. Was also tun, um die Probleme zu lösen?

 

Die jüngsten Pläne des Senats, in Absprache mit den Berliner Bäderbetrieben, dürfte eher in die Kategorie "kreativ" gehören. In der Diskussion um neue Baugrundstücke und die Errichtung neuer Immobilien, wird nun von der Bebauung der Liegeflächen von Berliner Freibädern gesprochen. Wie unter anderem die Berliner Morgenpost und der Tagesspiegel berichten, verhandelt das städtische Immobilienunternehmen Berlinovo mit den Bäderbetrieben über eine Bebauung zumindest am Rand der Grünflächen. Bewohnt werden sollen die neuen Immobilien vor allem von Studenten. Von kleinen Apartments mit 16 Quadratmetern für unter 400 Euro monatlich ist hier die rede. Damit erkennt der Senat in jedem Fall auch in diesem Bereich die schwierige Lage auf dem Hauptstadtmarkt, denn auch kleine und günstige Wohnungen für Studenten sind derzeit absolute Mangelware.

 

Passend dazu: Die Bebauung nicht benötigter Friedhofsflächen der Evangelischen Kirche in Neukölln und Kreuzberg. Hier werden auf 50.000 Quadratmetern Flüchtlingsunterkünfte in Leichtbauweise errichtet. Wann mit der Fertigstellung zu rechnen ist, kann allerdings nicht gesagt werden. Zunächst müssen sich im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens Firmen finden, die den Bau übernehmen. Die meisten in Frage kommenden Unternehmen sind jedoch bereits jetzt sehr gut ausgelastet.

 

Auch mit der Stadtreinigung soll Berlinovo im Gespräch stehen. Hier geht es allerdings nicht - wie es im Internet bereits teilweise verbreitet wird - um die Bebauung ehemaliger Deponien, sondern viel mehr um die Nutzung eines ehemaligen Lagerstandortes, der Platz für etliche Wohneinheiten bieten könnte.

 

Es bleibt abzuwarten, mit welchen Ideen wir in den nächsten Jahren noch rechnen dürfen. In Anbetracht der derzeitigen Situation wird es in Zukunft wohl noch weitere ungewöhnliche Vorschläge und Pläne geben. Ob es zu einer Teilbebauung der Freibäder kommt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Schaut man sich die Reaktionen zur geplanten Bebauung des Tempelhofer Feldes an, kann man sich bereits jetzt denken, wie das Berliner Volk auf die jüngsten Vorschläge reagieren wird. Die Grünen nennen die Pläne bereits jetzt "völlig inakzeptabel".

 

 

Benjamin Zühlke

 

Immobilienkaufmann (IHK), Immobilienmakler und

geschäftsführender Gesellschafter H&Z Immobilien