15.07.2016

Der Pokémon-Hype geht selbst an der Immobilienwirtschaft nicht vorbei.

Die ganze Welt spricht von Pokémon Go und wir erleben wahrscheinlich einen der größten Hypes im Bereich Mobile Gaming. Es zeichnet sich ab, dass selbst "Candy Crush" schon bald dauerhaft hinter dem Erfolg der Taschenmonster zurück bleiben wird. Pokémon Go wird schon jetzt häufiger genutzt als Twitter und hat mehr registrierte Nutzer als Tinder. Auch ein kurzer Blick auf die Nintendo-Aktie zeigt deutlich, dass wir hier nicht über einen normalen Spiele-Release reden.

 

Über so eine Geschichte wollen alle berichten. Warum? Suchmachinen-Optimierung ist das Zauberwort. Im Rahmen der Suchmachinen-Optimierung ist es immer verlockend, über Top-Themen zu berichten. Denn Google findet Websites mit aktuellen Themen ganz besonders interessant. Auch wir, daraus machen wir kein Geheimnis, haben neben unserem Servicegedanken immer die Suchmachinenoptimierung im Hinterkopf, wenn wir aktuelle Themen als News oder im Ratgeber näher beleuchten. Nur leider kann man nicht wahllos über alles berichten, was irgendwie aktuell ist. Unsere Kunden wollen auf unserer Homepage weder wissen, wo genau Bastian Schweinsteiger nun ganz genau geheiratet hat, noch interessieren sie sich dafür, was Audi, BMW und Co auf der nächsten Automesse zeigen werden. Und Pokémon Go? Hier einen Immobilienbezug zu finden sollte doch eigentlich auch eher schwierig werden. Doch es gibt ihn tatsächlich!

 

Unsere Wertgutachten werden wohl zunächst von der Häufigkeit spawnender Pokémon und der Nähe befindlicher Pokéstops unbeeinflusst bleiben. Sollte sich hier offiziell etwas ändern und sollten wir diesbezüglich Post von der DEKRA erhalten, erfahren Sie es zuerst! Aber tatsächlich ist diese, eher nicht so ernst gemeinte Einleitung viel weniger abstrus, als man zunächst denken sollte. Wir erfahren (aus den Medien, bisher noch selten im eigenen Kundenkreis) vermehrt, dass insbesondere Pokéstops auch in der Immobilienwelt eine Rolle spielen!

 

Nun ist ein kleiner Exkurs unabwendbar. Also Achtung, Google! Was ist Pokémon Go überhaupt und was sind Pokéstops? Pokémon Go ist ein Handyspiel, das seit Mittwoch auch in Deutschland offiziell spielbar ist. Das Spiel bedient sich der sogenannten "Augmented Reality (AR) und gehört zu einem der ersten seiner Art. Als Spieler bewegt man sich der realen Welt und sieht diese auch durch sein Smartphone-Display - ergänzt durch durch virtuelle Objekte aus der Spielwelt. Man fängt und sammelt Pokémon (kleine Monster) und benötigt hierfür Pokébälle. Diese erhält man in Pokéstops und diese sind nun überall auf der Landkarte verteilt und werden regelmäßig von fleißigen Spielern besucht. Die Pokéstops liegen in der Regel an öffentlichen Plätzen und Symbolen (eben auch in unmittelbarer Nähe zu privaten Häusern und Wohnungen - aber dazu später mehr...). Auch das spawnen, also erscheinen von seltenen Pokémon selbst, sorgt vermehrt für das Aufkreuzen dutzender Spieler an ansonsten ruhigen Orten.

 

Was bedeutet dies nun für die Allgemeinheit und vor allem für Immobilieneigentümer und Gewerbetreibende? Für viele Menschen, die das Spiel nicht spielen und die es vielleicht nicht einmal kennen gibt es trotzdem kein Entkommen. Neben den nun fleißig besuchten Pokéstops sorgen vor allem die kleinen Pokémon für Überraschungen. Vor allem seltene Exemplare bleiben nicht lange unentdeckt und in einer durch soziale Medien geprägten Welt bleiben sie vor allem nicht lange ein Geheimnis. Egal ob Innenhöfe, Restaurants, Büros, Baustellen oder sogar Gedenkstätten - weltweit tummeln sich plötzlich und unangekündigt Menschenansammlungen an Orten, an denen niemand damit rechnet. In Australien gab es öffentliche Auseinandersetzungen, weil dutzende Anwohner durch umhersuchende Pokémon-Jäger nachts nicht schlafen konnten und die Polizei zunächst nichts mit den Beschwerden anfangen konnte. Die Anwohner nahmen die Sache selbst in die Hand und kümmerten sich mit Wasserbomben und Eiern um die Angelegenheit. Hält der Hype an, wird wohl früher oder später jeder einmal damit konfrontiert werden.

 

Konkret in der Immobilienwirtschaft verfolgen wir zudem Forenbeiträge und Nachrichten von Menschen, die ihre Mieter- oder Nachmietersuche mit der Werbung "Pokéstop innerhalb der Wohnung erreichbar" oder "seltene Pokémon im Umfeld" beschleunigen wollen. Zugegeben: Ein Großteil dieser Meldungen stammt nicht aus Deutschland, sondern aus den USA und Asien. In Deutschland gibt es sie jedoch auch schon und man muss bedenken, dass die App hier erst seit Mittwoch offiziell spielbar ist. Auch Verkehrsbehinderungen, Lärmbelästigungen und unbefugtes Betreten häufen sich weltweit.

 

Gewerbetreibende, vor allem die Gastronomie machen sich den Trend schon zu eigen. So werben Sie mit der Verfügbarkeit von Arenen (weitere, spielrelevante Orte) oder Pokéstops oder sie vergeben Rabatte für Spieler. Es gibt allerdings auch Cafés und Restaurants die als Pokéstop fungieren und den Zutritt stringend auf zahlende Gäste beschränken, weil sie ständige Besuche durch Pokémon Go - Spieler, die nichts bestellen, satt haben.

 

In jedem Fall bleibt diese Erfolgsgeschichte spannend. Für uns alle - ob wir das nun wollen oder nicht. Wir sind vor allem gespannt, ob wir tatsächlich sogar in Verbindung mit unserer Arbeit in der Immobilienwirtschaft mit diesem Thema künftig konfrontiert werden. Natürlich glauben wir nicht ernsthaft, dass dieses Spiel eine feste Größe bei der Bewertung und Beurteilung von Immobilien wird, aber es ist aus meiner Sicht schon unglaublich, dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, die Verfügbarkeit insbesondere von Pokéstops als Kriterium auszuwählen. Ich für meinen Teil wurde schon darauf angesprochen, wie man diesen Trend für sich und seine Gewerbeimmobilie nutzen kann - und man kann ihn nutzen! Verrückte Welt...

 

 

 

 

Benjamin Zühlke

 

Immobilienkaufmann (IHK), Immobilienmakler und

geschäftsführender Gesellschafter H&Z Immobilien